Die Reise beginnt

Pünktlich um 21:15 fahren wir los.

Oh halt! Wir merken, dass wir die Zahnbürsten vergessen haben. Also drehen wir nochmal um und holen sie. Zum Glück waren wir noch in Göttingen.

Jetzt geht es aber wirklich los. Die Kinder schlafen zwar noch nicht, aber es ist für die Kinder schon ziemlich spät und sie machen bald die Augen zu.

Heinke fährt die ersten zweihundert Kilometer bis kurz vor den Ruhrpott. Kurz bevor wir da sind und tauschen wollen, wacht Espen auf und will sich nicht mehr beruhigen lassen. Das passt ja!

Wir machen Fahrerwechsel und Heinke setzt sich nach hinten.

Nun fahre ich und wir passieren bald die Grenze zu den Niederlanden. Nicht mal eine Stunde später fahren wir durch Belgien. Heinke schläft ab und an und versucht sonst Espen, der mit seinen Zähnen gerade sehr unruhig ist, im Sitz und schlafend zu halten. Das klappt mehr oder weniger. Wir halten zweimal an, um ihn kurz rauszunehmen. Anouk schläft wie ein Engel bis wir in Calais ankommen.

Nach Belgien folgt Frankreich und laut Navi kommen wir bald in Calais an. Plötzlich Stau! Doch warum stehen am Rand so viele Leute rum? Heinke wacht auf und wundert sich auch.

Alex: “Das sind Flüchtlinge.” Sie stehen in Sparen hinter der Leitplanke. Heinke kann dem Trubel im Halbschlaf gar nicht folgen. Plötzlich kommt ein LKW mit einer hohen Geschwindigkeit hupend von hinten angebraust und fährt ohne Rücksicht durch das Chaos. Heinke denkt dabei noch an einen Schlepper auf der Flucht. Dann sehen wir, dass Bäume auf der Fahrbahn liegen. Und da begreifen wir erst, was hier los ist: Die Flüchtlinge haben eine Straßensperre auf der Autobahn errichtet, um LKWs anzuhalten und aufzuspringen, um mit nach England zu fahren. Wenige Meter weiter sind auch mehrere Leute auf der Fahrbahn. Eine Weiterfahrt ist nur in Schrittgeschwindigkeit möglich. Plötzlich rennen zwei Personen in unsere Richtung. Der eine Mann vermummt sich, nimmt einen der kleineren Baumstämme und rennt auf unser Auto zu. Völlig ungläubig fragt Heinke noch:”Was will der denn?” Ich gebe Vollgas, hupe und lenke direkt auf ihn zu. Da bekommt er Angst und lässt von uns ab. Ich fahre über die Bäume und hoffe dass die Reifen keinen Schaden genommen haben. Zum Glück haben die Kinder alles verschlafen.

Nach dem Schreck fahren wir erstmal eine Tankstelle an, Heinke zittert und hat Angst. Sie kann nicht begreifen, was da soeben passiert ist. Wir haben zwar noch genug Sprit, aber in England ist der Diesel teurer und etwas Zeit bis zum Checkin haben wir noch. Die Kinder wachen auf, sind gut gelaunt und haben rein gar nichts mitbekommen. Heinke versucht sich nichts anmerken zu lassen.

Nachdem wir getankt haben fahren wir Richtung Hafen, hier steht überall Polizei und kontrolliert hauptsächlich LKW nach blinden Passagieren. Hier fühlt sich Heinke erst wieder sicher. An der Passkontrolle müssen wir nochmal die Dachbox öffnen, dass sich nicht doch ein blinder Passagier in der Dachbox versteckt hat. Jetzt bekomm’ ich die Dachbox natürlich nicht mehr zu. War ja zu erwarten. Sonst passieren wir die Fahrt auf die Fähre ohne Zwischenfälle. Auch Echo kann ohne Probleme einreisen. Auf der Fähre präparieren wir den Kofferraum für Echo und gehen an Deck.

Auf Deck beratschlagen wir, ob wir auf der Fahrt nach Echo schauen sollen oder nicht und entscheiden uns dagegen, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern, da wir ja ihn dann ja wieder verlassen müssten. An Bord kann Heinke das Erlebte nicht verdrängen und meidet jeden, der auch nur annähernd fremd aussieht, untypisch für sie, aber verständlich. Bald können wir die weiße Küste von Dover erkennen. Als wir im Hafen ankommen, gehen wir direkt zu unserem Hund. Er hat den Stress gut überstanden, hat aber eine ganze Menge Haare verloren.

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